Palimpalim, es haustauscht weiter

Die kleine Familie stand vor der Tür. Meine Dänen waren vom Flughafen mit dem Bus zu uns gekommen und mit allem beladen, was man für einen 5-tägigen Aufenthalt  braucht…Kinderwagen, MaxiCosi, Rucksäcke, Gitarre und vor allem eine unendliche Ladung an Gelassenheit! Wow, waren sie entspannt.

Ich weiß nicht, ob Dänen generell so gechillte Menschen sind, oder es daran lag, dass die beiden 15 – 20 Jahre jünger waren als ich – unser Aufeinandertreffen war jedenfalls vollkommen selbstverständlich. Als würden wir uns schon länger kennen. Dieser Vertrauensvorschuss, den man gewährt, wenn man jemanden in seine Wohnung lässt, macht sich auch im Miteinander bemerkbar. Im Unterschied zu sonstigen Blind-Dates erwartet man voneinander ja keinerlei erotische Anziehungskraft oder sonstige Attraktivität, um miteinander die Wohnung zu tauschen. Man will auch nicht gemeinsam ins Kino, Essen gehen oder den Rest seines Lebens miteinander verbringen. Es ist egal, wieviel das Gegenüber verdient oder welche politische Gesinnung sich hinter der Stirn verbirgt…Du lässt denjenigen für einen sehr begrenzten Zeitraum in dein Wohn-Leben und erwartest einfach nur, dass derjenige ordentlich, sauber und verantwortungsbewusst mit deinem Eigentum umgeht. Danach kannst du ihn wieder vergessen.

In Windeseile wurde meine Wohnung eingenommen…ein merkwürdiges Gefühl, wenn sich jemand in deiner Wohnung so benimmt, als sei er nicht Gast sondern Teil der Wohngemeinschaft…und du schaust dabei zu. Nanna bereitete dem strahlenden Baby ein Gläschen zu (selbst das war entspannt, was geben die dem bloß…), während wir nebenbei zusammen Kaffee tranken und ich die Besonderheiten der Wohnung erklärte.

Es war eine wirklich nette Atmosphäre, aber ich fühlte mich schnell als Fremdkörper in meiner eigenen Wohnung und spürte auch, dass die Familie nun richtig ankommen wollte und dafür keinen Zuschauer brauchte. Alles war geklärt und gesagt. Herzliche Verabschiedung. Mit Trolly -und natürlich dem Schlüssel der Kopenhagener Wohnung- fuhr ich zu meiner Mutter, wo wir noch eine Nacht verbringen mussten, um dann am nächsten Tag mitten in der Nacht nach Kopenhagen zu fliegen.

Die erste Hürde war geschafft und ich muss zugeben, ich war extrem erleichtert! Im Vorfeld hatte ich von sehr vielen Freunden, Bekannten, Familienangehörigen überwiegend Bedenken zu unserer Haustauschaktion gehört. Und selbst wenn man sich das vorher gut überlegt und keinerlei Zweifel hat, ein kleines bisschen nagen die verunsichernden Anmerkungen, die die Umwelt kundtut, doch an der eigenen Überzeugung.

Nachdem ich meine beiden Dänen plus Baby nun in meiner Wohnung hatte, war ich mir 100%ig sicher, alle Unkenrufe waren unbegründet: Nein, diese Leute würden weder den Flachbildschirm raustragen, noch ne wilde Drogenparty veranstalten und die Wände mit Kot beschmieren, noch würden sie leichtsinnig mit Zigarette einschlafen und die Bude abfackeln. Sie würden nicht in unserer Unterwäsche wühlen, meine Schränke nach Kontoauszügen durchstöbern, unsere Parfumflaschen ausgießen…und wenn sie auf unserem Küchentisch wilden Sex haben sollten, wäre mir das auch egal, ich sah es ja nicht.

Wenn wir nach knapp einer Woche wiederkämen, könnte die Wohnung natürlich unordentlich und dreckig sein. Ja. Aber das ist sie auch, wenn wir selbst eine Woche da sind und nicht putzen oder aufräumen. Als Studentin hatte ich einen Putzjob und war mir nicht zu schade, in wildfremden Wohnung aufzuräumen und zu putzen. Daher störte mich diese Vorstellung nicht so sehr….Alles kommt wieder…

Die Warnrufe, man könne ja so ein Profil auch faken und irgendwelche Bilder reinstellen und dann gibt es diese Wohnung gar nicht, waren in diesem Fall auch verpufft. Nun war ich gespannt, ob mein „heimeliger“ Eindruck, den ich durch die Fotos der Haustauschseite von der Wohnung hatte, sich in der Realität bestätigte.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s