Unendliche Stille …

P1050058…zwischen den mächtigen Windböen, die das Stapfen durch kniehohen Schnee müßig machen. Aber der Schnee ist leicht, pudrig, die klirrende Kälte hat auch ihr Gutes. Dazu gelegentlich einige Sonnenstrahlen, die sich durch die schnell ziehenden Wolken durchmogeln und die weite Schneefläche in eine Glitzerwelt wandeln. Wow, was für ein Bild. Mittendrin das „Belvédère“, eine Installation von Gérard Starck. 1997 schuf der Künstler auf einer Anhöhe in dem 600 m hoch gelegenen Ort Le Hohwald in den Vogesen unübersehbar seine zwecklose Konstruktion.

Eigentlich kein Tag, keine Jahreszeit, um die Route d’Art contemporain abzufahren und sich auf schneebedeckten Passstraßen durch die Vogesen zu bewegen. Oder gerade doch.

Wenn dem Wind für kurze Zeit die Puste ausgeht, ergibt sich gerade an diesem Februartag eine besondere Stimmung, die -durch das Zusammenspiel von Luft, Farbe, Perspektive- das Aufeinandertreffen mit Starcks weißen Betonpfeilern zu einem unvergessenen Erlebnis macht.

Ich stehe vor einem luftig-schwerelosen Konstrukt, das wie der Rohbau eines Hauses oder einer Kapelle, wie ein Klettergerüst oder ein Bauklotzgebilde anmutet. Nichts ist fertig, nichts ist deutlich. Durchscheinend, denn Wände und Dächer fehlen. Die Pfeiler geben die Form vor, der eigene Blickwinkel läßt Deutungen und weite Gedankengänge zu.

Auf einmal diese Stille! Fegte mir eben noch der Wind fast meine Wollmütze vom Kopf, nehm ich sie nun freiwillig ab, um mir diese Stille anzuhören! Für einen kurzen Moment ist da kein Heulen und Pfeifen mehr …und auch kein anderes Geräusch. Kein Vogelschlag, kein Autogeräusch von der nicht so weit entfernten Ortsstraße, keine menschlichen Laute aus den umliegenden Häusern unterhalb der Anhöhe. Faszinierend, unendlich, weit, aber -als konditionierter Großstadtmensch- auch etwas erdrückend.

Diese Stille kommt unerwartet und sie läßt mir für einen Moment den Atem stocken. Da wird es noch stiller und es scheint, als sauge die Stille mich und das Belvédère ein. Eine Stille, die sich laut anfühlt. Mir kommt eine Fernseh-Reportage über mongolische Mönche in den Sinn, die in absoluter Stille meditieren. Ok, so etwas muss es sein. Die Stille, eine Voraussetzung, um Gedanken und Körper loszulassen. Langsam freunde ich mich mit ihr an, lasse meinen Blick durch die Streben und Pfeiler gen Himmel oder über die sonnenbeschienene, glitzernde Ebene schweifen und genieße den Augenblick.

Schon braust der Wind wieder auf, schiebt Wolken vor die Sonne, taucht alles in ein schattiges Negativ.

Ich nehme den Moment mit und Le Hohwald wird für mich ein unvergessener Ausflug bleiben.

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