It feels like Singlebörse

Wer noch nie über eine Kontaktplattform im Internet oder auf andere Art und Weise in den Genuß eines Blinddates gekommen ist, kann auch Haustausch machen, um zu wissen, wie es sich anfühlt….

Mit Nanna aus Kopenhagen  hatte ich mittlerweile freundlichen Email-Kontakt, wir wußten wie wir aussahen, hatten Fotos von unseren Wohnungen und fühlten uns irgendwie freundschaftlich verbunden. Kannten uns aber nicht wirklich. Eine Sympathie auf Grund von Emails, in die man viel oder wenig rein projizieren kann… Die Übergabe unserer Wohnungsschlüssel sollte bei uns erfolgen, die kleine Familie kam nachmittags an, wir wollten einen Kaffee bei uns trinken und dann sollte ich mit unserem Gepäck loszotteln… Ich war ganz schön aufgeregt und leider auch ziemlich erschöpft. Denn der Weg bis dorthin war mal wieder ein langer…

In zeitaufwändigen Aktionen stellten wir in den Wochen vor Ostern für unseren ersten Haustausch alle wichtigen Infos über die Besonderheiten der Wohnung und Umgebung in einem englischsprachigen Manual zusammen. Unsere Kopenhagener Gäste sollten sich ohne Probleme sofort zurechtfinden.

– Haustür beim Öffnen ranziehen, sonst läßt sicher der Schlüssel nicht drehen, Kühlschrank fest schließenTür schließt nicht richtig), die Fußbodenheizung – oje, ein Sensibelchen, alt und träge -never touch a running system (man hat die Wahl zwischen drei Paar Socken und Thermowäsche oder Sommertop) . Der Fernseher…für mich kein Fernseher, sondern eine furchteinflößende Media-Anlage, deren Bedienung ein entsprechendes Studium erfordert (die Anleitung dafür schrieb der technikaffine Teil unserer Familie). Aber sonst alles chic.-

Auf einer Karte unserer Umgebung mit großem Maßstab konnten die Gäste alles Supermärkte, Cafés, Restaurants, Geschäfte jeder Art finden! Diese detaillierten Infos bot bestimmt nicht jeder Haustauscher, das gab Pluspunkte, aber auch diese Servicewand erforderte ziemlich viel Zeit in der Vorbereitung.

Und so erhielt ich die nächste Erkenntnis in Sachen Haustausch: Ein ganz schöner Aufwand! Anstrengend und zeitraubend. Hoffentlich lohnte es sich. Hoffentlich waren wir von unserem ersten Experiment nicht enttäuscht, entsetzt, ernüchtert.

Aber irgendwann war alles fertig, die Putz-Orgie überstanden, die administrativen und touristischen Vorarbeiten erledigt und es lagen neben verschiedenen Bedienermanuals auch Flyer, Bus/Bahnfahrpläne, Ausflugstipps, Reiseführer über Berlin in einer Mappe auf dem Tisch. Außerdem ein frühlingshafter Blumenstrauß und eine Flasche deutscher Grauburgunder zur Begrüßung.

Wie würde der Moment des ersten Gegenüberstehens sein, wir sind ja Fremde, die sich vorher vermeintlich etwas kennengelernt haben? Bestätigen sich Eindrücke und Erwartungen, wie geht man in real miteinander um…Gespräche, die stocken …man läßt diesen Menschen dann in seine Wohnung, überläßt ihm alles… falls die Chemie nicht stimmt: schnell den Schlüssel übergeben und raus…

Und so saß ich in einer piekobello sauberen, ordentlich aufgeräumten Wohnung, auf meinem gepackten Koffer und wartete etwas nervös auf das Klingeln der Gäste.

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2 Gedanken zu „It feels like Singlebörse

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