Gut geputzt ist halb geswapt oder Hausmittel gegen Pubertätsgehabe

„…We are sure to exchange with you…you can reserve your plane without hesitation…“

Yapp. Endlich. Wunderbar. Das war es, was ich hören/lesen wollte, worauf ich gewartet hatte. Noch ein, zwei Mails (die erstaunlich schnell hin und hergingen) und alles war geklärt. Wir würden uns leider nicht persönlich sehen. Die Schlüsselübergaben und Wohnungseinweisungen würden durch andere erfolgen müssen, da sowohl die Franzosen als auch wir lieber per Auto als per Flugzeug kommen wollten und wir sonst zuviel Zeitverzögerung hätten.

Ab diesem Moment freute ich mich einfach nur noch auf unseren Sommerurlaub in Südfrankreich, auf ein Haus mit Pool und Meerblick, auf gutes Essen, schönes Wetter und Zikadengezirpe. Unserem Profil auf der Homeexchange-Plattform fügte ich mit heimlicher Siegerfaust unterm Schreibtisch den kleinen Hinweis  „Easter and summer 2014 already arranged“ bei und fühlte mich, als hätte ich ein Projekt erfolgreich zu Ende gebracht.

Die nächsten Wochen widmete mich nun dem aktuellen Thema. Die Vorbereitungen für unseren ersten Wohungstausch: Ostern in Kopenhagen

Unsere Wohnung war noch nie so sauber, wie in den nächsten Wochen. Nach und nach putzte ich endlich mal die Stellen, die man erst beim Auszug entdeckt und dann mit einer Mischung aus Unglaube und peinlicher Berührtheit schnell in Ordnung bringt. Auch andere Stellen kamen mir unter den Lappen, bei denen ich dachte: Naja, sollte man vielleicht doch öfter mal mit Wasser und Reinigungsmittel in Verbindung bringen und ich verstand, warum einige meine putzfreudigeren Freundinnen soviel Zeit mit Hausarbeit verbringen.  Schubladen wurden ausgemistet…wer kennt das nicht, da finden sich unerklärlicherweise Linsen von 2008, Weihnachtsbackoblaten von anno zopp, abgelaufene Tütensuppen, Gewürze, Konserven. Badkacheln! Schreckliches Thema. Beim Fensterputzen gab ich dann nach einigen Fenstern auf. Es war Mitte Februar, in unserer Stadtwohnung neben der Autobahn war beim nächsten Regen- oder Schneefall sowieso wieder eine Schicht Feinstaub darauf, damit mussten die Dänen dann einfach leben.

Ich räumte auf, sortierte aus, ordnete neu. Spiele, Kleidung, Zubehör, drei Fuhren gingen mal wieder an unsere lokale Hilfseinrichtung. Wollte ich alles ja auch längst schon mal gemacht haben! Der anstehende Haustausch zwang mich sozusagen dazu, diese unerledigten Dinge anzugehen.

Man entwickelt einen unglaublichen Ehrgeiz, alles schön zu machen für den Besucher, den man – obwohl man ihn ja (noch) gar nicht weiter kennt- so sehr in sein Leben rein läßt. Es ist eine Mischung aus guten Eindruck hinterlassen wollen (schließlich wird am Ende gegenseitig bewertet) und die Hoffungung: Wenn ich so sauber, ordentlich bin, ist es der andere sicher auch. Das kann natürlich richtig in die Hose gehen, denn Ansprüche und das Maß des Erträglichen oder Wünscheswerten sind ja unterschiedlich.

Obwohl unsere beiden Teenager gar nicht mit nach Kopenhagen kamen, mussten ihre Zimmer natürlich auch wenigstens soweit aufgeräumt sein, dass man nicht beim ersten Anblick rückwärts aus der Wohnung gehen mochte. Ich erwartete, wie sonst bei den üblichen Aufforderungen (räum endlich dein Zimmer auf…) Genörgele und Gemotze. Erfreulicher- und erstaunlicherweise entwickelten aber auch Tochter und Sohn einen ungemeinen Ehrgeiz, alles schön zu machen für die Besucher. Auch dort wurde aufgeräumt, aussortiert, umgeräumt, gesäubert, dekoriert…Die Zimmer sahen picobello aus…ein weiterer Vorteil des Haustauschens!

Und bei der letzten Vorbereitungsaktion, der Erstellung eines Manuals über unsere Wohnung, beteiligten sich auch alle Familienmitglieder ohne Widerstand und mit viel Spaß. Vielleicht sollte ich Jasper Juul mal davon erzählen…

 

 

 

 

 

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