Die Wand

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Wer in Paris nicht durch     Montmartre läuft, fährt in NY wahrscheinlich nicht aufs Empire State Building, stellt sich in Barcelona nicht an, um die unfertige Sagrada Familia zu besichtigen und meidet den Flohmarkt am Mauerpark in Berlin.

Derjenige geht in der Tat den Touristenmassen aus dem Weg und vergeudet keine unnütze Zeit wartend vor Einlasstüren. Geld, Eintrittsgeld, spart er auch. Aber: hat man die Fähigkeit und Geduld, sich die unglaublich vielen Leute wegzudenken, die alle das gleiche sehen wollen wie man selbst, erliegt man überall dem Zauber dieser Orte, der sie ursprünglich mal zu den Touristenmagneten gemacht haben, die sie nun sind.

Auf dem Empire State Building kann man irrationalerweise nach dem kleinen Teddy suchen, den der unglaublich süße Jonah dort vergaß, bevor sich Meg und Tom den finalen Kuss gaben.

Die womöglich nie vollendete Kirche Gaudis bringt uns zurück zu unserer ursprünglichen Verbundenheit mit der Natur, die bei einem Gang durch den imposanten Bau mehr als deutlich wird und Demut, Ergriffenheit und Nachdenklichkeit hinterlässt. Das lebendige Treiben auf dem Berliner Flohmarkt und vor allem die fast körperlich spürbare Kreativität, die bei den verschiedenen Darstellungen sonntags auf dem Mauerpark frei wird, läßt einen spüren, was diese Stadt (immernoch) zu bieten hat und sie so lebens -und liebenswert macht, trotz des ganzen Großstadtdrecks, Sumpfes, unvollendeten Flughafens etc.

Durch Montmartre zu wandern heißt, gut auf seine Taschen aufzupassen. Ellenbogen in die Seite gestoßen zu bekommen und diese selbst auszufahren. Nie lange dort stehen bleiben zu können, wo man will, weil man von Menschenmassen vorwärtsgedrängt wird. Aber es heißt auch, sich seinen eigenen Weg zu suchen, Seitenstraßen und Ecken zu entdecken, die zwar auch gut besucht, aber nicht überfüllt sind. Dort dem Reiz dieses Viertels zu erliegen und zu verstehen, warum Paris einfach immer eine unglaublich faszinierende und atmospährische Stadt ist und bleibt und man dort auch 50 x in seinem Leben hinfahren kann.

Vor „Le Mur“, der Wand, im Montrmartre stehen auch viele Menschen, aber ich finde ein Plätzchen, um mir dieses Objekt der Völkerverständigung anzusehen und einen Moment inne zu halten: „aimer c’est du désordre…alors aimons!“

In unzähligen Sprachen ein „ich liebe dich“, symbolischer und pazifistischer kann der Umgang mit Sprache nicht sein  (und die weiße Taube der Friedensbewegung kann sich mal ausruhen).

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