Laotse

Wer nicht genügend vertraut, wird kein Vertrauen finden. (Laotse)

Gestern fuhr ich mit dem Zug von Dresden nach Berlin. In meinem Abteil saßen noch ein junger Mann und eine noch jüngere Frau. Sympathische Leute. Wir kannten uns alle nicht, aber die Zeit verflog wie im Flug, weil wir interessante Gespräche führten. Über steigende Immobilienpreise, Urlaubsziele und Hotelpreise kam es dazu, dass ich von unseren positiven Haustauscherfahrungen erzählte. Beide hörten mir sehr interessiert, aber auch etwas ungläubig zu. Für beide war es ein komisches Gefühl, zwischen persönlichen Sachen fremder Menschen zu sein und umgekehrt. Beide waren ängstlich, dass ihnen jemand etwas klaut oder zerstört. Der junge Mann sagte: Man gibt ja quasi jemandem, den man überhaupt nicht kennt, einen enormen Vertrauensvorschuss.

Das stimmt natürlich. Vertrauen ist eine weitere, enorm wichtige Voraussetzung – und nicht die letzte! – für einen erfolgreichen Haustausch. Vertrauen, dass der andere genauso ehrlich, zuverlässig, verantwortungsvoll, sauber, ordentlich… ist wie man selbst. Vertrauen darin, dass der Swap-Partner ebenso wenig den Drang verspürt, in deinen Schränken zu wühlen, sich fremde Fotoalben anzusehen, deine Unterwäsche zu durchwühlen, wie du. Vertrauen, dass er alles mit der gleichen Sorgfalt behandelt, wie du selbst deine Sachen behandelst und Vertrauen darin, dass der andere dir nicht deinen immens teuren Flachbildschirm von der Wand klaut oder deine über Jahre angesammelte DVD-Collection auflöst. Aber das würde man selber ja auch nicht machen.

Das sagte ich meinen beiden Mitreisenden. Stimmt eigentlich, war die Reaktion. Die Aussage des jungen Mannes offenbarte mir aber doch noch eine weitere Erkenntnis darüber, was mich am Haustausch auch noch besonders fasziniert: Eigentlich ist es erstaunlich, dass wir mittlerweile offenbar so konditioniert sind, Menschen erstmal ohne Vertrauen zu begegnen und ihnen einen „Vertrauensvorschuss“ gewähren müssen, um sie in unser direktes Umfeld zu lassen. Es wäre eigentlich schön, wenn „der default“ anders herum wäre und wir vertrauensvoll und offen aufeinander zugingen.

Beim Haustauschen, so habe ich das Gefühl, ist genau dies so. Die Menschen, die ihre Häuser tauschen, haben Vertrauen.

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